Wenn mich andere Personen als mutig und inspirierend beschreiben, weil ich meinen Traum verwirklicht habe und ihn auch tatsächlich lebe, finde ich es manchmal immer noch eigenartig. Viele Menschen, mit denen ich mich auf meinen bisherigen Reisen unterhalten habe, wagen es nicht, den eigenen Träumen nachzujagen und behalten lieber das gewohnte Leben bei und zwar aus Angst zu versagen, aus Angst einen Fehler zu begehen. Es gibt Menschen, die mir sagen, ich hätte das Glück, meinen Traum leben zu können. Ich hätte das Privileg, mir dies zu erlauben. Wie gehe ich mit diesen Aussagen um? Was bedeutet das für mich? Bin ich mutig? Bin ich inspirierend? War alles nur Glück?
Ich weiß, dass ich für diesen Traum auch viele Opfer gebracht habe. Ich habe viel gearbeitet. Ich habe 4 Fremdsprachen gelernt und habe zwei Ausbildungen abgeschlossen. Ich habe neben meinem Vollzeitjob im Vorstand eines Konzerns gleichzeitig studiert und meinen Bachelor absolviert. Dafür habe ich nicht nur viel Geld investiert, sondern auch jahrelang meinen Urlaub geopfert. Ich habe meine Abende nach der Arbeit in Vorlesungen zugebracht und an der Uni in Hörsälen gesessen. Ich habe meine Wochenenden mit dem Lernen verbracht, weil ich andernfalls keine Zeit dazu gehabt hätte. Ich habe meine Freunde vernachlässigt und meine Familie nicht so oft gesehen. Aber sollte ich das immer erwähnen, wenn mir jemand sagt, ich hätte so ein Glück? Soll ich mich rechtfertigen, wenn mich Fremde fragen, wie ich das alles ermöglichen kann? Einige mögen denken, Mike würde mich “sponsern”, weil er natürlich auf unserer gemeinsamen Weltreise arbeitet. Aber ich lächle und manchmal lasse ich ihnen ihre Gedanken, aber gelegentlich stelle ich es doch klar. Ich weiss was ich getan habe, wie viel Stress, Sorgen und Kraft es für mich bedeutet hat, im Hier und Jetzt zu sein, um meinen Traum zu leben, und mit Sicherheit kann ich sagen, dass ich auf all das stolz bin, auf das Erbrachte und Erreichte .
Ich bin meinem Traum gefolgt und wollte nicht mehr das Leben so fortführen wie bisher. Ich habe es tief in mir gespürt; ich musste ausbrechen, andernfalls wäre ich irgendwann daran zu Grunde gegangen. Ich wäre zerbrochen und ich wäre nicht mehr ich selbst gewesen. Ich hätte mich nicht mehr entfalten können und würde auch nicht mehr aus mir herauswachsen. Dieses Gefühl, nicht mehr wachsen zu können, war für mich schon immer schlimm.
Ich habe gelernt, immer mal wieder die eigenen Grenzen zu überwinden, um zu wachsen und mich besser kennenzulernen. Man muss sich mit seinem Inneren beschäftigen und zuhören, was das Herz zu sagen hat. Was es möchte und was es glücklich machen würde. Andernfalls wäre man nicht der Mensch, der man sein sollte und werden könnte.
Wenn man diese Grenzen überwindet, merkt man, was man eigentlich alles kann und wozu man bereit ist. Wenn man nie etwas wagt, dann bleibt man stehen. Es ergibt sich nichts Neues und man entfaltet sich nicht. Die Flügel, die man trägt, können sich nicht ausbreiten und bleiben im Inneren verschlossen. Die Zeit bleibt still und dann merkt man, dass man gealtert ist und jeder Tag genauso abläuft wie jeder andere. Dass das Wochenende die Erfüllung ist. Das der Urlaub der Lichtblick ist.
Ich wollte jeden einzelnen Tag besonders haben, besonders machen. Einfach den Tag leben, auch wenn man vielleicht nichts tut. Aber man entscheidet selber, wie der Tag verläuft. Für mich sollte sich jeder einzelne Tag gut anfühlen mit dem, was man daraus macht, für sich selbst, für das eigene Wohl.
Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, Einstellungen und Wünsche.
Also JA, ich bin mutig, weil ich meinen Traum angepackt habe. Ja, ich bin für andere inspirierend, die davon träumen ein anderes Leben zu führen und ich ihnen zeigen kann, dass es machbar ist. Ich freue mich, wenn Fremde mir so viele Fragen stellen und alles wissen möchten, weil sie mein Leben so toll finden und alles über meine Reisen erfahren möchten und wie ich alles organisiere, wo ich etwas buche und wie ich Preise checke oder auch welche Kreditkarten ich benutze.
Wenn ich anderen Menschen mit meinen Taten und mit meinen Reisen helfen kann, ihre eigenen Träume zu erfüllen, dann macht mich das glücklich. Das erfüllt mich und ich bin dankbar dafür. Ich bin dankbar für jede einzelne Frage, die ich erhalte, für jeden neugierigen Blick, den ich bekomme, wenn ich anfange zu erzählen und für jedes Lächeln, das ich in ein Gesicht dadurch zaubern kann.
Liebe Patri,
ich freue mich mit dir, wenn ich all deine Reiseberichte lese und die Fotos von all den wunderbaren Plätzen genieße! Du beschreibst sie wunderschön!
Aber für all die Freunde, die dich beneiden und ihr aktuelles Leben nicht mehr genießen können, ein paar Worte zum Ausgleich:
Ich war in keinen der fernen Länder, ich habe als Alleinverdiener drei Kinder großgezogen, habe hart gearbeitet, Gott sei Dank in einem Job, der mich nicht nur täglich gefordert, sondern auch immer wieder mit abwechslungsreichen Aufgaben befriedigt hat. Ich habe ein Leben „Zuhause“ gelebt und war glücklich – auch ohne Fernweh.
Wie du so schön schreibst: Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, Einstellungen und Wünsche.
Ich wünsche allen, die deinen Reisen folgen, dass sie sich mit dir freuen und dabei ihr eigenes Leben nicht mit falschem Maßstab messen, sonder einfach glücklich sind!
Ich drücke dich ganz fest und freue mich, dich bald wieder in Person drücken zu dürfen!
Lieben Gruß, Sepp
Danke dir lieber Sepp für deine Offenheit! Das weiß ich sehr zu schätzen und bin glücklich, dass du dich mit mir/uns freust. Bis ganz bald, deine Patri!