Die ersten Tage – Fremd und unnahbar
Albany. Der Name klang vielversprechend, aber die Realität war anders. Hügel. Viele Hügel. Mit dem Fahrrad eine Tortur, die Beine brannten, der Atem schwer. Die Stadt wirkte verschlossen, als würde sie mich erst prüfen wollen, bevor sie mich aufnahm. Die Straßen – unbekannt, die Menschen – distanziert, das Wetter – launisch. Wir arbeiteten viel, suchten Zuflucht in der Bibliothek, versuchten, uns an das neue Umfeld zu gewöhnen. Aber dieses Gefühl von Heimat? Fehlanzeige.


Ein Entschluss – Die Stadt auf eigene Faust
Ich musste es anders angehen. Also schnürte ich eines Morgens meine Schuhe, die Sonne stand schon hoch am Himmel. Keine Karte, kein Ziel – nur loslaufen, einfach die Stadt fühlen. Ein Schritt nach dem anderen.
Doch Albany machte es mir nicht leicht. Teilweise gab es keine richtigen Fußwege, also lief ich auf dem Highway, während Trucks an mir vorbeizogen. Die Hitze stieg, jeder Schritt forderte mich mehr heraus. Und natürlich – ich hatte mich nicht eingecremt. Die Sonne brannte gnadenlos auf meiner Haut, der Schweiß rann mir in die Augen. Aber umkehren? Keine Option. Ich wollte Albany endlich verstehen. Am Ende waren es 25 Kilometer, und trotzdem hatte ich das Gefühl, noch nicht weit genug gegangen zu sein.




Emu Beach – Ein erster Funke
Mein Weg führte mich durch Collingwood Park. Hohe, alte Bäume warfen lange Schatten, Vogelstimmen erfüllten die Luft. Die Straßen waren still, nur ein paar Menschen kreuzten meinen Weg, gingen wortlos an mir vorbei.

Dann lag Emu Beach vor mir. Ein atemberaubender Strandabschnitt, gesäumt von kleinen Buchten und mit kristallklarem Wasser, das im Sonnenlicht funkelte. Die Wellen rollten sanft an den feinen, weißen Sand. Ich zog meine Schuhe aus, spürte die Kühle des Wassers an meinen Füßen und sog die salzige Meeresluft ein. Ein tiefer Atemzug, ein Moment der Ruhe. Vielleicht war das der Moment, den ich gesucht hatte? Ich bestellte mir ein Frühstück in einem kleinen Café mit Blick auf das Meer, genoss die friedliche Atmosphäre und ließ meinen Blick über das weite Blau schweifen. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht als Fremde.



Middleton Beach – Der Wendepunkt
Gestärkt zog es mich weiter. Diesmal über Middleton Beach, einen beliebten Surfspot, an dem die Wellen kraftvoll an den Strand rollten. Surfer trotzten den tosenden Brechern, ihre Silhouetten zeichneten sich gegen den tiefblauen Himmel ab. Der Wind war stark, peitschte durch meine Haare und trieb den feinen Sand über den Strand. Doch seltsamerweise fühlte ich mich wohl.
Ich ließ mich in den warmen Sand sinken, grub meine Hände hinein und schloss die Augen. Das gleichmäßige Rauschen der Wellen lullte mich ein, meine Gedanken trieben davon, getragen von der unaufhörlichen Bewegung des Meeres. Minuten verstrichen, vielleicht sogar Stunden – ich wusste es nicht.
Als ich die Augen öffnete, sah ich am Horizont die Berge, majestätisch und ruhig, als würden sie über das Meer wachen. Der Anblick ließ mich innehalten. So weit weg von allem, und doch fühlte ich mich zum ersten Mal wirklich angekommen. Ein Gefühl von Weite, von Freiheit – als hätte Albany mir endlich seinen wahren Kern gezeigt.




Endlich Zuhause
Zurück zu Hause erzählte ich Mike von meinem Tag. Die Müdigkeit saß tief in meinen Beinen, meine Haut spannte von der Sonne, aber mein Herz fühlte sich leicht an. Während ich ihm von den Stränden, den Wellen und den fernen Bergen erzählte, merkte ich, wie meine Stimme wärmer wurde, wie die anfängliche Fremde allmählich verschwand.
„Albany ist doch ganz schön“, sagte ich schließlich, und diesmal meinte ich es wirklich. Es war nicht die Stadt, die sich verändert hatte – es war meine Sicht auf sie. Manchmal braucht es eben mehr als nur Zeit. Manchmal muss man sich verlaufen, sich durch die Hitze kämpfen, mit dem Wind ringen und in den Wellen versinken, um einen Ort wirklich zu begreifen. Manchmal braucht es 25 Kilometer zu Fuß, um sich irgendwo wirklich zuhause zu fühlen.
SCHÖÖÖÖN!
Liebe Patri,
eine wunderschöne Reise nach Albany hast du uns beschrieben. Erst so unnahbar und dann nach 25 km Fußweg, kommt man zu dem Entschluss, dass es doch ganz schön war, diese Tour zu machen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Danke für deine schöne Beschreibung.
Dagmar
Danke meine liebe <3