Singapur stand erst einmal nicht auf unserer Weltreiseroute. Da wir aber für eine kurze Zeit zurück nach Europa mussten, um uns dort mit Mikes Familie in Rumänien zu treffen, um einen Familienurlaub zu verbringen, haben wir einen Hin- und Rückflug ab und zurück nach Singapur gebucht. Es sollte für uns ein kleiner Zwischenstopp werden – ca. 3 Tage hatten wir uns vorgestellt. Wir haben uns jedoch etwas mit unserem Visum für Indonesien verkalkuliert, sodass wir letztendlich 10 Tage in dieser großartigen Stadt verbringen „mussten“.
Dass Singapur um einiges teurer ist als andere Städte in Indonesien, war uns natürlich nicht bewusst. Der Stadtstaat gilt einer Studie der Schweizer Privatbank Julius Bär zufolge als teuerste Stadt für ein Luxusleben. Um ein Beispiel zu geben, sind in Singapur Autos und Krankenversicherungen zwischen 109 und 133 Prozent teurer als im weltweiten Durchschnitt. Jedoch liegen die eigentlichen Kostentreiber auf Immobilienpreise und Mieten aufgrund des begrenzten Platzes. Des Weiteren gelten strenge Vorschriften, wie beispielsweise das Wegwerfen einer Zigarettenkippe und/oder Kaugummi (je nach Bereich liegen die Bußgelder hierfür bei 1.000 Singapur Dollar) und hohe Kosten für ein eigenes Auto. Wer also in Singapur ein Auto zulassen möchte, muss eine Lizenz bei der Stadt beantragen und kaufen. Diese Lizenz kostet 50.000 Singapur Dollar und läuft nach 10 Jahren ab. Bei den hohen Kosten, überlegt man eventuell 2 Mal, ob sich dies für jemanden lohnt. Ehrlicherweise ist aber in Singapur ein eigenes Auto unnötig, da es ein wahres Paradies für öffentliche Verkehrsmittel ist.
Das Streckennetz ist extrem gut ausgebaut und es ist äußerst einfach, sich zurechtzufinden. Darüber hinaus ist es auch sehr günstig. Man benötigt nicht einmal Tickets, um mit Bus oder Metro zu fahren. Man muss lediglich, bei Einstieg und Ausstieg entweder in den Bus oder in die Metro, die Kreditkarte auf den Scanner legen. Die Kosten werden im Nachgang abgebucht. Wir haben täglich bis zu 4 Euro für alle Fahrten ausgegeben. Abgesehen davon, hat es tatsächlich Spaß gemacht, sich mit den Öffentlichen fortzubewegen. Alles war sauber (die Bahnen und die Metrostationen) und die Menschen haben aufeinander geachtet. Es gibt Aufkleber auf dem Boden in der Metro die z.B. zeigen, wo man warten muss, bis die Passagiere an einer Haltestelle aussteigen und nacheinander steigt man entsprechend in die Metro ein. Alles ganz ohne Gedränge! Was uns auch sehr gut gefallen hat, ist, dass man nicht auf die Gleise fallen kann, da es überall elektrische Schiebetüren aus Glas gibt, die sich erst dann öffnen, wenn dahinter die Metro zum Stehen kommt. Sicherer geht es gar nicht. Die Metro ist sogar fahrerlos!
Solch eine technologisch fortgeschrittene Stadt haben wir noch nie gesehen und wir haben jeden einzelnen Tag, den wir in Singapur verbracht haben, einfach geliebt.



Nach einem Jahr auf Inseln kam die Metropole
Der Woweffekt war für uns natürlich noch größer, da wir ein Jahr lang ausschließlich auf asiatischen Inseln unterwegs waren. Ein Jahr lang nur in Flip Flops und mit Sand an den Füßen. Wir sind von einem Scooter auf den anderen gestiegen oder waren mit Tuk-Tuks unterwegs. Kaputte Straßen ohne Fußgängerwege standen an der Tagesordnung. Einheimische die am Straßenrand auf einem Holztisch Essen gebraten und verkauft haben. Das war das Bild, das uns ein Jahr lang begleitet hat…und dann kam Singapur. Auf einmal wurde das Auge durch neue Autos auf den Straßen, Wolkenkratzer, Luxusgeschäfte und Malls sowie Sauberkeit, Sorgfalt und Ordnung geprägt. Für uns war Singapur vom ersten Moment an berauschend und hat uns begeistert – dies bereits bei unserer Ankunft am Flughafen und es hat sich über die 10 Tage so fortgesetzt.


Vom Fischerdorf zur Löwenstadt
Ich kann kaum glauben, dass diese Stadt noch vor 200 Jahren ein kleines Fischerdorf gewesen sein soll und sich in die heute so genannte Löwenstadt verwandelt hat. Ein Hotspot für Technologie und Fortschritt, der Einblicke in die Zukunft urbaner Entwicklung bietet durch smarte Infrastruktur, autonome Fahrzeuge und intelligente Gebäude. Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit sind oben auf der Prioritätenliste des Staates, was zur Schaffung einer grünen und nachhaltigen Stadt beiträgt und somit Singapur zur saubersten Stadt der Welt macht. Aber die Löwenstadt ist noch mehr; Kriminalität ist hier so gut wie nicht vorhanden und man fühlt sich auf den Straßen sicher, besonders als Frau ist mir dies immer sehr wichtig, wenn ich irgendwo unterwegs bin. So fühlte es sich für mich auch an. Ich habe mich wohl und sicher gefühlt und konnte bedenkenlos durch die Straßen laufen.






Die Stadt ohne Seele?
Ich weiss noch, wie eine Freundin zu mir gesagt hat, Singapur sei für sie “die Stadt ohne eigene Seele”. Diese Aussage habe ich zunächst nicht verstanden. Auf den ersten Blick schien alles einfach nur fantastisch. Nach den 10 Tagen jedoch habe ich über diesen Satz eindrücklich nachgedacht und fühlte es tatsächlich auch so. In Singapur ist es nicht einfach, mit anderen Menschen oder Locals in Kontakt zu kommen. Alle sind in sich gekehrt, schauen einem nicht ins Gesicht, sondern alle schauen auf ihr Handy. Man läuft durch die Straßen und die entgegenkommenden Personen schauen auf das Gerät in ihrer Hand. An den Metrostationen oder in den Bussen, in Einkaufspassagen oder in den Restaurants…dieses Bild ist allgegenwärtig in jedem Moment. Sogar in Restaurants gibt man eine Bestellung online ab und nach einer gewissen Zeit kommt der Kellner mit dem Essen. Bezahlt wird an der Kasse, manchmal auch online. Diese Erfahrung fühlt sich an, wie ein Lieferservice im Restaurant – es gibt keinen Augenblick des persönlichen Kontaktes oder es ergibt sich kein Moment, um einen Smalltalk zu halten.
An unserem ersten Tag in Singapur standen Mike und ich an einer Bushaltestelle und wir waren uns nicht sicher, wie wir unsere Tickets erwerben sollten. Wir haben eine Frau angesprochen, die erst einmal zwei Schritte zurückgetreten ist und uns ganz verwundert angeschaut hat, weil wir sie angesprochen haben.
Man sieht in Singapur keine obdachlosen Menschen, die in der Bahnstation einen Schlafplatz suchen. Man sieht keine Graffitis an den Wänden – alles ist sauber. Man trifft auf keine Straßenhunde oder -katzen. Es kommen dir keine Bettler entgegen und man sieht keine hungernden Menschen. Da fragt man sich, was diese Stadt denn anders macht? Es gibt praktisch keine Obdachlosigkeit, keine Ghettos und keine Slums! Es gibt in Singapur Wohngemeinschaften – hier leben ärmere Menschen mit besser Verdienenden nebeneinander, was vom Staat auch gefördert wird, damit sich die ärmere Bevölkerung ebenfalls eine gute Wohnung leisten kann.
Ja – jedes Land hat seine eigenen Regeln, hat Vor- und Nachteile und für uns ist es aufs Neue interessant, die Unterschiede kennenzulernen, sich mit ihnen zu befassen und diverse Erfahrungen zu machen.





Ob uns Singapur trotz der Verbote, der Todesstrafe und den hohen Geldbußen sowie der fehlenden Nähe zu Menschen gefällt? Ja! Definitiv. Es ist der Fortschritt, der uns beeindruckt hat. Es gefällt uns zu spüren, wie sich eine reiche Stadt anfühlt, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen. Uns gefällt die Sauberkeit und die Sicherheit, die in dieser Metropole herrscht sowie das Gefühl immer einen Schritt voraus zu sein. Es fühlt sich extrem gut an, in der grünsten Stadt der Welt zu sein. Mit Sicherheit können sich andere Nationen und Städte hier einiges abgucken und von der Löwenstadt lernen.