Favelas
Wenn man an Rio de Janeiro denkt, dann kommt man um die bekannten Favelas nicht herum. Favelas – der Ort an den Touristen sich besser nicht begeben sollten, denn hier leben Kriminelle, Drogenbanden und es ist dort nicht sicher.
Unser Air BnB befand sich direkt an den Favelas und abgesehen davon, dass sich einige Uberfahrer geweigert haben, uns dort hin zu fahren oder abzuholen, haben wir ausser lauter Musik nichts Gefährliches wahrgenommen. Wir sind jedoch nicht auf Erkundungstour gegangen, da uns dies nicht schön vorkam, einen Ort zu besuchen an dem Menschen leben und diese als Attraktion darzustellen. Es ist ein Armenviertel und Menschen die dort leben haben es nicht leicht. Dies wollten wir uns nicht wie eine Touristenattraktion anschauen.


Dennoch, haben wir etwas über die Favelas während einer Walking-Tour durch Rio de Janeiro gelernt. Die ersten Favelas entstanden Ende des 18. Jahrhunderts, als die Sklaverei in Brasilien verboten wurde. Viele befreite Sklaven siedelten sich am Rande der großen Städte, wie Rio de Janeiro oder São Paulo an und errichteten somit ohne eine behördliche oder rechtliche Erlaubnis ihr Haus auf fremdem Boden. Daher waren diese Häuser illegal, hatten keine nummerierten Straßen, Sanitäranlagen oder Kanalisation. Heutzutage werden Häuser dort zwar weiterhin von den vor Ort lebenden Menschen gebaut, verfügen aber über bessere Ressourcen als vor einigen Jahren. Obwohl die Entstehung auch heute noch ohne Planung stattfindet, passt sie sich jedoch den Bedürfnissen und Lebensumständen der Bewohner an. Dabei tauschen sich die Bewohner untereinander aus und entwickeln so ein Gemeinschaftswissen.
Rio beispielsweise zählt ca. 700 Favelas, die Bekanntesten sind Rocinha wie auch Vidigal. Die Menschen, die heutzutage hier leben, sind Bürger, die in einer Stadt leben wollen, die nicht jedem die Möglichkeit bietet dort zu leben. Diese Menschen arbeiten oft inoffiziell und versuchen sich durch den Verkauf von Kleinigkeiten über Wasser zu halten.
Mit dem Jeep durch den Regenwald
Eines unserer Highlights in Rio war unser Ausflug in den Regenwald, Parque Nacional da Tijuca. Mit einem Jeep sind wir durch den größten urbanen Regenwald der Welt gefahren, der im Herzen von Rio eingebettet ist und für uns ein unvergessliches Naturerlebnis war.
Wir sind jedoch nicht nur mit dem Jeep durch die wunderschöne Vegetation gefahren, sondern sind durch dichtem Wald zur Pedra Bonita gewandert und haben von dort aus eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt und den umliegenden Regenwald genossen. Tatsächlich konnten wir durch diesen Ausflug dem Trubel der Großstadt entfliehen und hatten so die Möglichkeit Rio von einer ganz anderen Perspektive aus kennenzulernen. Ebenfalls bietet der Tijuca Nationalpark erfrischende Ruhepunkte wie auch wunderbare Wasserfälle. Mike hat es sich nicht nehmen lassen, sich im klaren und extrem kalten Wasser des Wasserfalls zu erfrischen.




Was wir während unserer Wanderung durch den Nationalpark ebenfalls gelernt haben war, dass nach der Besiedlung durch die Portugiesen, dieser Regenwald fast vollständig zerstört wurde und die Abholzung zu einer mangelnden Wasserversorgung der Einwohner führte.
Aus diesem Grunde wurden Ende des 18. Jahrhunderts mehr als 80.000 neue Bäume gepflanzt. Daher ist der Nationalpark heutzutage an seiner Vielfältigen Flora und Fauna zu erkennen. Ein weiteres Jahrhundert später wurde der Regenwald zum Schutzgebiet erklärt, sodass seine Fläche heute ca. 4.000 Hektar beträgt und die Bäume tragen ebenso dazu bei, dass die Temperaturen in der Stadt etwas angenehmer für die Bewohner sind. Ein Besuch des Tijuca Nationalparks ist für uns definitiv wert, wenn man in Rio ist.




Santa Teresa
Während unseres Rio-Aufenthaltes haben wir noch weitere Sehenswürdigkeiten besichtigt; darunter das Viertel Santa Teresa, welches uns sehr gefallen hat.
Es ist ein malerischer Stadtteil, der auf einem Hügel liegt und von Kopfsteinpflasterstraßen wie auch historischen Gebäuden geprägt ist. Von hier aus kann man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und den Zuckerhut werfen. Hier liegt eine künstlerische Atmosphäre in der Luft und wenn man durch die Straßen schlendert, erblickt man Wandmalereien, Galerien und Kunsthandwerksläden.



Ebenfalls eine Hauptattraktion ist hier die historische Straßenbahn, die durch die engen Gassen des Viertels klappert und dessen Besucher auf eine nostalgische Reise durch die Vergangenheit entführt. Insgesamt ist Santa Teresa ein Viertel voller Geschichte, Kunst und Kultur und verzaubert seine Besucher mit diesem einzigartigen Flair.


Unweit von Santa Teresa befindet sich ebenfalls ein weiteres Highlight: die berühmte Treppe von Selarón. Die Treppe verbindet Santa Teresa mit dem Viertel Lapa und ist das weltweit größte bildhauerische Werk eines einzelnen Künstlers. Der Künstler Jorge Selarón verzierte die Stufen (215 insgesamt) mit mehr als 2.000 Fliesen aus 60 Ländern. Mike und ich waren zwei Mal hier und haben versucht ein schönes Foto zu schießen, ohne dass man noch hundert andere Touristen auf ein Foto hat. War jedoch nicht ganz so einfach, denn hier ist immer sehr viel los und wirklich jeder, der Rio besucht, möchte ein Foto auf dieser Treppe ergattern.






Knapp – knapper – nackt: Karneval in Rio
Natürlich mussten wir Karneval in Rio miterleben, wenn wir schonmal in der Gegend waren. Für uns ein weiterer Bucket-List-Moment, den wir einmal im Leben erfahren wollten. Mike und ich haben uns Tickets für das Finale des Sambódromo bereits Wochen vorher gesichert und uns auch für die Parade entsprechend gekleidet. Glitzer, Schminke und schrille Outfits gehören einfach dazu, wenn man in Rio Karneval feiern möchte.










Jedes Jahr machen Tausende von Tänzern, Sängern und Musikern aus den Sambaschulen den Karneval in Rio spektakulär. Umzugswagen und Kostüme machen diese Vorstellung extrem aufwendig und großartig, um auf diese Weise die harte Arbeit zu zeigen, in die sie ein ganzes Jahr lang investiert haben. Hier wird nicht nur Samba getanzt und gesungen, sondern mit den Umzugswagen und deren Vorstellung, wird eine bestimmte Geschichte erzählt. Oft machen die Geschichten auf die sozialen Unterschiede aufmerksam.
Aus aller Welt strömen Touristen jedes Jahr nach Rio, um sich die Sambaumzüge anzuschauen und Teil dieser großen Party zu sein, sowie um im echten brasilianischen Stil zu feiern.
Mike und ich waren jedoch nicht ganz auf diese Party vorbereitet und blutige Anfänger, was die Umsetzung betrifft. Einlass im Sambódromo war 19 Uhr, also waren wir zwei genau um 19 Uhr vor Ort und haben unsere Plätze gesichert. Zwei Stunden später, außer Gewusel und Menschenmassen war immer noch nichts zu sehen und wir begannen uns zu fragen, wann denn die Show losginge. Tatsächlich begann die Performance der ersten Schule um 22:45 Uhr. Die Parade dauerte mehr als eine Stunde und wir waren richtig on fire, haben getanzt und die Farben, Federn, Glitzer und Tanzkünste bewundert und auch eine Unmenge an Fotos geschossen und Videos aufgenommen, weil wir dachten, dies sei schon das Highlight. Nach der ersten Sambaschule passierte lange Zeit nichts mehr und wir haben uns gefragt, ob dies schon alles gewesen sei. Erst hier fiel der Groschen und wir verstanden, dass die Parade aus insgesamt sechs Finalisten besteht und jede Sambaschule 1,5 Stunden lang performt. Zwischen jeder Performance wartet man weitere 40 Min. und einige Brasilianer neben uns haben in der Zeit ein Nickerchen eingelegt…wir waren somit gar nicht auf eine lange Nacht vorbereitet und haben tatsächlich bis 4 Uhr morgens durchgehalten, bis uns der ganze Körper weh tat. Aber es hat sich gelohnt, denn es war ein wahres Erlebnis, diese Parade live mitzuerleben. Mit jeder Sambaschule hatte man das Gefühl, dass es immer schriller und kitschiger wurde und wir haben uns wie in Trance oder in einem Traum gefühlt. Die Tänzerinnen haben immer mehr Haut gezeigt, bis sehr viele von ihnen nackt, mit nur ein paar Fetzen am Körper bedeckt, Samba getanzt haben. Selbst ich konnte da nicht wegschauen, fühlte mich von den Eindrücken hypnotisiert, weil es einfach so unwirklich und zugleich faszinierend war und eine komplett neue Erfahrung. Mike und ich haben es jedoch nicht bis zum Schluss geschafft durchzuhalten und waren um 5 Uhr morgens und mit 1% Akku am Handy wieder im Hotel und sind k.o. ins Bett gefallen.
Die Musik aus dem Sambódromo hörte man noch bis die Sonne aufging und die Straßen von Rio starteten wieder langsam in den Alltag als wir schließlich eingeschlafen sind.
Liebe Patri, lieber Mike, mit großer Freude hab ich deinen Newsletter gelesen. Den Atem hab ich etwas angehalten, wie ich von der Reise zu den Favelos gelesen hab und so manche euch gar nicht hinfahren wollten. Aber ihr seid ja Glückskinder und es wir alles gut. So viele schöne Sehenswürdigkeiten habt ihr wieder erlebt. Mit deinem schönen Schreibstil und den tollen Fotos bin ich auch auf diesem Wege auch ein Stück mit euch mitgereist, liebe Patri
Liebe Dank für deinen schönen Bericht.
Weiterhin Gute Reise, bis wir uns wiedersehen.
Dagmar