Der Zeitpunkt ist gekommen: meine erste Kreuzfahrt steht bevor. Das Schiff hat im Hafen von Teneriffa angelegt, und wir stehen bereit, einzuchecken. Ich starre auf das beeindruckende 14-stöckige Schiff und mein Herz schlägt schneller. Ich halte Mikes Hand fest. Angst und extreme Aufregung durchfluten mich. Mike versichert mir, dass alles gut sein wird – aber kann er das wirklich garantieren? Ich unterdrücke meine Ängste und wage den ersten Schritt an Bord. Alles fühlt sich normal an, kein Schwanken, kein Unwohlsein. Wir gehen den langen Flur auf der 8. Etage entlang und betreten unser Zimmer zum ersten Mal. Ich kann kaum glauben, dass ich mich tatsächlich freue. Unser Zimmer verfügt über einen Balkon, und der Anblick von unserem Balkon aus ist einfach traumhaft. Um 18 Uhr legt das Schiff ab. Ich bin aufgeregt und atme tief ein und aus – und tatsächlich verläuft alles gut!
Seit fünf Tagen sind wir nun auf dem Atlantik unterwegs. Mit der Costa Diadema segeln wir von Teneriffa nach Brasilien! Wir überqueren den Atlantik in insgesamt 11 Tagen und passieren den Äquator. Diese Vorstellung allein hat mir viele schlaflose Nächte und große Ängste bereitet. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals einen Fuß auf so ein Schiff setzen würde – ich, die seekrank wird und Panikattacken bekommt, wenn sie nur daran denkt, auf ein Schiff zu steigen.
Noch vor wenigen Tagen überkam mich ein Gefühl von Angst, als ich meinen Rucksack für die Reise fertig packte. Mein Herz klopfte stark bei dem Gedanken, meine Hände zitterten, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Das Gefühl der Hilflosigkeit und die Unfähigkeit, meinen eigenen Körper zu kontrollieren, wollte ich nicht noch einmal erleben. Doch ich wagte es. Ich überwand meine Ängste, bin über meinen Schatten gesprungen und verließ meine Komfortzone, und jetzt sitze ich hier und blicke auf den Ozean. Die Weite des Meeres vor mir erscheint unwirklich, und ich kann kaum glauben, dass ich mich auf dem Weg nach Brasilien befinde. Ich bin froh darüber, mich meinen Ängsten gestellt zu haben. Dadurch konnte ich das Reisen für mich auf ein höheres Level bringen, die Welt noch mehr genießen und mit ganz anderen Augen bewundern.
Warum machen wir eigentlich diese Kreuzfahrt? Auf dem Schiff sind etwa 400 digitale Nomaden, Menschen, die von unterwegs aus arbeiten und sich treffen, wenn eine neue Nomad Cruise von irgendeinem Hafen auf der Welt startet. Sie kommen zusammen, um voneinander zu lernen, zu networken, zu arbeiten und Wissen weiterzugeben – und natürlich, um jede Menge Spaß zu haben. Für viele ist es eine Auszeit von der digitalen Welt, eine Gelegenheit, Abstand zu gewinnen, Gedanken zu sammeln und mit Freunden abzuschalten. Sie möchten alte Freunde wiedersehen, gemeinsam Zeit verbringen und neue Menschen kennenlernen, die dasselbe Mindset teilen, die genauso leben und denken und keine geografischen Grenzen kennen. Es ist eine Zusammenkunft unterschiedlicher Menschen aus vielen Ländern, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen: das Reisen!
Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Lebensformen und den Möglichkeiten, ortsunabhängig zu arbeiten. Alles soll außerhalb des Herkömmlichen liegen – bloß nicht „normal“ sein. Und ich befinde mich mittendrin. Manchmal fühle ich mich fehl am Platz, an anderen Tagen wiederum genau richtig. Meine bisherigen 16 Jahre im Corporate-Bereich haben mein Handeln und meine Denkweise stark geprägt. Genau deshalb wollte ich ausbrechen, nach etwas Neuem suchen und mehr für mich selbst tun. Ich wollte nicht akzeptieren, dass das alles gewesen sein sollte und freier sein. Ich wollte mein Leben nicht weiterführen wie bisher und habe einen inneren Kampf geführt, den ich letztendlich gewonnen habe, indem ich meinen Träumen Raum gegeben habe.
Ich lebe gerade meine Auszeit aus dem mir bekannten Lifestyle. Mein Horizont hat sich erweitert, und die Möglichkeiten, aus dem Hamsterrad auszubrechen, scheinen grenzenlos. Die Vorstellung der Rückkehr zu einem „normalen“ Leben wird für mich immer schwieriger, und mein gewohntes Leben wird in meinen Gedanken immer kleiner. In dieser Auszeit habe ich mich weiterentwickelt und stehe nun vor der Aufgabe, meinen eigenen Weg zu finden, zu gehen und zu leben.
Ich bin gespannt, wohin mich dieser Weg führen wird.
Liebe Patri,
ich gratuliere dir zu deinem Sieg über die Angst!!!
Von Herzen, Sepp
Danke lieber Sepp!!!