Geburtstage sind so eine Sache, wenn man keinen festen Wohnsitz hat. Einerseits total genial – jedes Jahr ein neuer Ort, neue Abenteuer, keine Erwartungshaltung à la „Lass uns im Lieblingsrestaurant essen und danach tanzen gehen“. Andererseits … na ja. Es fehlt halt was. Die Familie, die Freunde, die herzlichen Umarmungen und das zuckrige Chaos eines viel zu großen Kuchens. Und dann noch dieser unterschwellige Druck: Mach was Besonderes draus! Besonders für den Partner…für Mike, der sich an solchen Tagen plötzlich wie ein Eventmanager fühlt.

Teneriffa – schwarze Strände, hohe Wellen und ein Himmel voller Wünsche

Letztes Jahr feierten Mike und ich meinen Geburtstag auf Teneriffa. Ich erinnere mich noch an jedes Detail – vielleicht, weil dieser Tag sich mit jeder Windböe und jedem Sandkorn in mein Gedächtnis eingebrannt hat.

Unser Apartment in Tabaiba lag direkt an der Küste, mit Blick aufs Meer. Es war einer dieser Orte, wo du morgens aufwachst, die salzige Brise einatmest und denkst: „Jo, das ist schon ziemlich geil hier“.

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Mike hatte einen Ausflug nach Benijo geplant. Ich wollte da unbedingt hin. Warum? Weil Benijo nicht einfach nur ein Strand ist. Es ist ein Spektakel. Schwarzer Sand, steile Klippen, Wellen, die mit voller Wucht gegen die Felsen krachen, und an diesem Tag – als hätte sich das Wetter mit mir abgesprochen – tobte der Wind so wild, dass meine Haare aussahen, als hätte ich sie in eine Steckdose gesteckt. Dramatischer geht es nicht. Perfekt.

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Mittags saßen wir in einem winzigen Restaurant auf den Klippen. Rustikal, einfach, ein bisschen windschief. Das Essen schmeckte nach Salz und Sonne, der Wein nach Freiheit. Ich war genau da, wo ich sein wollte.

Aber das Beste kam am Abend: eine Nachtwanderung durch den Teide-Nationalpark. In völliger Dunkelheit. Die Taschenlampe unser einziger Begleiter. Nur wir, die Stille und der höchste Berg Spaniens. Und dann – als wir endlich ankamen – dieser Himmel. Die Sterne explodierten förmlich über uns, es war wie ein funkelndes Universum aus unzähligen Sternen, Sternschnuppen, die sich wie Feuerpfeile über den Nachthimmel zogen, und das Gefühl, dass hier gerade alles Sinn macht.

Mein Geburtstag endete mit diesem einen Gedanken: So kann’s weitergehen.

Australien – Pancakes, Muskelkater und ein Trail, der mich an meine Grenzen brachte

Neues Jahr, neues Land, neues Abenteuer. Diesmal Australien. Albany.

Der Tag begann mit Pancakes, so fluffig, dass sie mich fast zum Weinen brachten – oder lag’s an der Tatsache, dass Mike sie liebevoll mit frischen Früchten drapiert hatte? Keine Ahnung. Jedenfalls ein Geburtstagsfrühstück nach meinem Geschmack. Aber dann: Bald Head Trail.

Pure Herausforderung. Kein „easy peasy Spaziergang“, sondern ein Trail, der einem erst den Atem raubt – vor Anstrengung – und dann ein zweites Mal, weil die Aussicht einfach komplett irre ist.

Der Weg schlängelte sich über einen schmalen Grat. Links das tosende Blau des Southern Ocean, rechts der türkisfarbene King George Sound. Überall Klippen, die aussehen, als hätte die Natur sich mal so richtig ausgetobt. Der Wind riss an mir, meine Beine brannten, und ich fragte mich mindestens dreimal: Warum tue ich mir das an?

Dann der Gipfel. Und die Antwort: Genau deswegen.

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Wir standen da, völlig erschöpft, und gleichzeitig fühlten wir uns so lebendig wie selten zuvor. Unter uns die ungezähmte Schönheit Australiens, Wellen, die sich tosend an die Felsen warfen, eine endlose Weite. Ich grinste in den Wind und dachte: „Ja, genau das ist es“.

Nach der Wanderung schleppten wir uns – völlig durchgeschwitzt, aber glücklich – an den Frenchman Bay Beach. Einfach hinlegen. Sand in den Haaren, Sonne im Gesicht, das Meer als Soundtrack. Perfekt.

Zum Abschluss gab’s ein Dinner, das vermutlich fantastisch war – aber was genau ich gegessen habe, ist längst im Strudel der Erinnerungen verschwunden. Was bleibt, ist das Gefühl. Ein weiterer Geburtstag on the road, wieder anders, wieder besonders.

Und nächstes Jahr? Wer weiß. Aber eines ist sicher: Ich werde wieder irgendwo sein, irgendwo atemberaubend, irgendwo, wo das Leben genau richtig ist.