Ende Juni 2022 hatte ich meinen letzten Arbeitstag, genauer gesagt am 23.06.22. Ein Jahr ist bereits vergangen, seitdem ich meine Kolleginnen, meine Freunde und Familie gesehen habe. Vor einem Jahr gab ich meinen Arbeitsausweis ab, nahm meinen Büroschlüssel vom Schlüsselbund und schloss die Tür zum Unternehmen hinter mir. Ich verabschiedete mich von meinen liebsten Kolleginnen. Ich weiss es noch, als wäre es gestern gewesen, wie wir uns eine gefühlte Ewigkeit in den Armen hielten und wie kleine Mädchen geheult haben. Es war einer der bewegendsten Momente für mich, diesen Menschen “Auf Wiedersehen” zu sagen und dem Unternehmen den Rücken zuzukehren. Nun war es getan, dieses Kapitel ist zu Ende.
Aktuell sitze ich hier auf Bali, in Uluwatu in einer Villa und blicke von meinem Tisch aus auf den Pool, der von der warmen Sonne erhitzt wird. Die Vögel zwitschern und die Geckos geben Laute von sich!
Ein ganzes Jahr ist an mir vorbeigerauscht. Ich habe immer gesagt “ich möchte ein Jahr auf Weltreise sein”…Ja, das Jahr ist mittlerweile fast vorbei und ich war jedoch nur auf 2 Kontinenten…wenn ich auf die Weltkarte schaue, ist da noch ziemlich viel offen. Es gibt noch viele Orte, die ich bereisen möchte und noch mehr Strände, an denen ich spazieren gehen möchte. Es gibt um so mehr Kulturen, die ich kennenlernen möchte und Menschen, die ich treffen möchte. Die Reise ist für mich noch lange nicht vorbei.
Tja…wie erkläre ich das jetzt wohl meinen Eltern? Sie denken, ich würde bald zurückkommen. Sie glauben, ich hätte doch jetzt genug Auszeit vom Leben gehabt…aber NEIN, noch lange nicht! Mein Leben lebe ich genau jetzt…Die letzten 20 Jahre habe ich wohl kaum gelebt, sondern bin einer Ordnung, einer Norm gefolgt. Nun merke ich und sehe es jeden Tag, dass es auch anders geht. Man muss nicht an einen Ort gebunden sein, Wurzeln schlagen, ein Haus bauen und bis zur Rente arbeiten gehen. Nein, es geht auch anders. Man kann arbeiten und dabei die Welt entdecken. Man kann von überall aus der Welt arbeiten. Ich muss nicht in die Kälte zurückkehren, sondern kann das ganze Jahr über Sonne, Sommer, Strand genießen und trotzdem arbeiten. Es kommt immer darauf an, was man für sich selbst möchte, was einen glücklich macht. Jeder Mensch ist einzigartig und somit ist auch sein Wunschleben einzigartig. Mein Wunschleben besteht aus Reisen ohne Zeitlimit. Die letzten 12 Monate haben mir genau das gezeigt.
Mein Leben ist mir viel zu wertvoll, als dass ich mich wieder freiwillig in das Hamsterrad begebe; denn das möchte ich definitiv nicht mehr. Ich möchte nie wieder leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben!
Was ich definitiv von meinen bisherigen Reisen mitgenommen und gelernt habe, ist, das Leben gelassener zu sehen und sich nicht von unnötigen Dingen stressen zu lassen. Sich nicht für jede Kleinigkeit aufzuregen oder anderen Menschen die Macht zu geben, dieses Gefühl auszulösen und sich verärgern zu lassen. Das ist es nicht wert.
Auf Reisen muss man mit diversen Situationen zurecht kommen, die man vielleicht zu Hause nie erlebt hätte oder denen man nie begegnet wäre. Manchmal muss man aus seiner Komfortzone ausbrechen und schauen wie man jeweilige Situationen bewältigt. Dann kann es passieren, dass man kein warmes Wasser zum Duschen hat, dass Zimmergenossen Kakerlaken oder Spinnen sind oder dass dir im Badezimmer 100 Geckoaugen beim Duschen zuschauen, dass Ameisen die Zahnbürste in Beschlag nehmen oder das man ein Zimmer mit dreckiger Bettwäsche vorfindet. Manchmal wird man von Schlangen im Outdoor-Badezimmer erschreckt und es kann auch vorkommen, dass die paradiesische Unterkunft mitten in einer Baustelle liegt und doch nicht so paradiesisch wie auf den Bildern ist; es kann passieren, dass dich ein Bus beim Überholversuch fast vom Scooter kickt und man im ganzen Land keine Tampons findet, sodass man hier und da auch mal in der Zeit zurückversetzt wird. Shit happens! Das gehört eben auch zum Reisen dazu.
Ich habe zu schätzen gelernt, dass man keine materiellen Reichtümer benötigt, um glücklich zu sein. Was zählt ist, mit sich im Reinen zu sein und vollkommen hinter den eigenen Entscheidungen zu stehen. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass wir, wenn wir in ärmeren Ländern unterwegs sind, in den Menschen, denen wir begegnen, genau diese Werte wiederfinden. Sie öffnen mir immer wieder die Augen zur Realität. Es geht ihnen nicht um Oberflächlichkeit, sondern um Zwischenmenschlichkeit. Es geht nicht um Reichtum, sondern um Karma. Es geht darum, mit dem Herzen zu sehen und Gutes zu tun.
Ich freue mich auf das, was kommen mag, auf die Menschen, die mir über den Weg laufen werden und auf die Freundschaften, die sich erschließen werden. Ich freue mich darauf, die Welt weiter zu entdecken mit all ihrer Schönheit in der Natur, der Tierwelt und den Kulturen.
Juni 2023
Liebe Patri, dein Rückblick auf dein letztes Jahr habe ich mit großer Freude gelesen. Es ist auch schön, zu lesen, dass dich diese Reise sehr verändert hat. Deine Lebenseinstellung hat sich aufgrund von deinen vielen Erfahrungen, die dir begegnet sind zum nachdenken gebracht und deine weitere Lebensweise beeinflusst.
Ich freue mich sehr, dich bald wieder persönlich zu sehen, dich zu umarmen und über ganz viele Erlebnisse
zu reden. Machs guuaadd bis bald Dagamr
Liebe Patri,
wir kennen uns nicht persönlich, ich bin eine langjährige Freundin von Dagmar.
Ich habe Deinen Rückblick mit großem Interesse gelesen und bin begeistert über Deinen mutigen Schritt. In meinem nächsten Leben, werde ich das auch angehen,. lach!!!
Wünsche Dir noch viele wundervolle Begegnungen und Erlebnisse.
Ganz liebe Grüße
Ruth
Vielen lieben Dank für deine Worte liebe Ruth. Es freut mich, dass du unseren Blog verfolgst und hoffe, dass wir uns auch bald persönlich kennenlernen werden. Viele Grüße, Patri & Mike