Als ich früher von einer Reise nach Hause gekommen bin und mein Kopf auf mein vertrautes Kopfkissen fiel, habe ich mich wohl gefühlt. Als ich in meinem Bett lag, eingekuschelt in meiner vertrauten Bettdecke zurück blickte an das Erlebte, konnte ich es kaum erwarten, den nächsten Trip zu buchen. Während ich alles in dieser für mich gewohnten und sicheren Umgebung in meinen Gedanken Revue passieren lassen und meine Reise verarbeitet habe, hatte ich Glücksgefühle. Diese Gefühle hielten jedoch nicht allzu lange an und ich merkte, wie ich innerlich wieder ungeduldig wurde.

Nicht zu wissen, wann ich wieder raus konnte und wieder in dem Hamsterrad gefangen zu sein, bescherte mir Angst. Das Erste, was ich am nächsten Tag nach einer Reise getan habe, war zu schauen und zu recherchieren, wo und wann ich als nächstes reisen könnte. Kaum war ich wieder zu Hause,  wollte ich auch wieder weg. Meine Eltern konnten das nie so richtig nachempfinden oder verstehen, meine engsten Freunde hingegen wussten, dass ich das nächste Ziel bald wieder auf dem Radar hatte.

Es gab aber auch Zeiten, in denen ich mein komplettes Jahr und meine freien Tage vorgeplant hatte. So gesehen, stand die nächste Reise schon auf meinem Plan und das Gefühl des Stehenbleibens war nicht so präsent. Ich musste nur bis dahin ausharren.

Also legte ich, wenn ich noch nichts geplant hatte, direkt wieder los, und schaute nach, wie viel Urlaub ich noch hatte und wie ich ihn am Besten nutzen konnte, um wieder zu verreisen, um wieder raus in die Welt zu gehen. Manchmal war es nur ein Wochenende. Manchmal nur ein Tagesausflug – Hauptsache, nicht zu Hause bleiben. Das war das Ziel. Es musste auch nicht immer ein anderes Land sein, sondern es reichte mir auch eine neue Stadt in Deutschland kennenzulernen. Das Gefühl, nicht stehen zu bleiben, war extrem groß und ich wollte so viel wie möglich entdecken und kennenlernen.

Jetzt ist es für mich anders. Dieses Gefühl habe ich nicht mehr, da ich so frei bin zu entscheiden, ohne Restriktionen (abgesehen von Visumbestimmungen), wie lange ich irgendwo bleiben kann oder wohin ich gehen kann. Doch ich wünsche mir manchmal etwas mehr Ruhe im Leben, etwas mehr Routinen und das Gewohnte. Manchmal vermisse ich mein Kopfkissen und diese Kuscheldecke, die zu Hause auf mich immer gewartet hat und in die ich mich so gerne eingewickelt habe und über meinen Tag nachgedacht habe. 

Auf Reisen ist es nämlich ziemlich schwer sich Gewohnheiten und Routinen anzueignen,  denn nach einigen Tagen oder Wochen zieht man weiter und man muss sich wieder in einer neuen Umgebung einfinden. 

Schnell wieder umdenken und von vorne beginnen. Fragen wie, wo ist der nächste Supermarkt,  gibt es eine Yogaschule oder ein Gym, wo kann man mit Laptop arbeiten (diese Frage gilt eher für Mike) etc. durchfluten das Gehirn. Es ist nicht einfach, sich immer so schnell an einem fremden Ort zurechtzufinden und ich muss gestehen, dass es teilweise sehr anstrengend ist. Immer wieder ein neues Bett, eine neue Wohnung oder ein neues Zimmer. Zu schauen, ob man selber kochen kann oder Essen gehen muss! Das kann Stress auslösen und Unwohlsein hervorrufen. Manchmal fühlt man sich pudelwohl in einer Wohnung und manchmal ziemlich unwohl und man kann es kaum erwarten weiterzuziehen. Mit dem Partner 24/7 zusammen zu sein, kann auch problematisch werden, besonders wenn man wochenlang ein Zimmer gebucht hat und man sich ständig auf die Füße tritt. Dann muss man sich irgendwie arrangieren aber an bestimmten Orten findet man z.B. kein Workingplace und Mike ist gezwungen von zu Hause aus zu arbeiten. Hört sich vielleicht für Außenstehende nicht so schlimm an…ist es aber wenn man ständig mit dieser Situation konfrontiert wird.

Das Dauerreisen und das ständige Neueingewöhnen kostet nicht nur viel Zeit und Kraft, sondern verlangt auch ein hohes Maß an Komforteinbußung. 

Aber noch mache ich es gerne und das Unbekannte reizt mich weiterhin. 

Man könnte meinen, es sei auch eine Art von Routine, sich immer wieder neu irgendwo einzuleben. Eine Routine, die zwar immer wieder anders ist, aber auf eine Weise doch Gewohnheit ausstrahlt. 

Es ist der Blickwinkel, wie man etwas betrachtet, ob es ein positives oder eher negatives Gefühl vermittelt. Ich wähle doch eher die Positive Betrachtungsweise, auch wenn es bedeutet, dass es nicht immer der einfachere Weg ist.